Donnerstag, 18.12.2014; 11:26 Uhr

 

Immendingen Arbeitsunfall auf Bundeswehrareal: Drei Arbeiter in Grube verschüttet – ein Familienvater stirbt.

 

 

Kurz vor dem Mittag alarmiert die Leitstelle zu einem Bauunfall mit verschütteten Personen auf der Baustelle im ehemaligen Übungsgelände der Bundeswehr, wo das neue Prüf- und Technologiezentrum der Daimler AG verwirklicht wird. Bereits die Anfahrt gestaltet sich jedoch schwierig, weil die genaue Lage der Einsatzstelle auf dem sehr weitläufigen Areal zunächst nicht bekannt ist.

Beim Eintreffen des Kommandanten und Einsatzleiters der Immendinger Feuerwehr, der zusammen mit dem Rettungsdienst als erster mit dem MTW vor Ort ist, zeigt sich sofort die Tücke des Geländes. Die Baustelle befindet sich in einem tiefen Talkessel, der nur über eine ca. 300 m lange, steile und schlammbedeckte Piste zu erreichen ist. Zwar gelangen ein NEF und ein RTW über diese Piste bis unmittelbar an die Einsatzstelle, bereits der Einsatz-PKW des Kreisbrandmeisters und das kurz darauf eintreffende LF 16/12 der Feuerwehr Immendingen und das WLF müssen auf der Hälfte dieser Piste die Anfahrt abbrechen. Alle weiteren Einsatzfahrzeuge müssen oben am Rand des Talkessels stehen bleiben.


Als erster Eindruck an der Unfallstelle ist ein rund 4 Meter tiefer Graben zu sehen, in dem ein Bauarbeiter bis über die Schultern von Erdmassen bedeckt ist. Nach Angaben weiterer Bauarbeiter, die bereits mit ersten Rettungsarbeiten begonnen haben, befindet sich noch ein zweiter verschütteter Arbeiter in dem Graben, der jedoch vollständig von Erdmassen bedeckt und deshalb nicht zu sehen ist. Die Einsatzstelle wird in zwei Abschnitte aufgeteilt. Gemeinsam mit den inzwischen eingetroffenen Einsatzkräften der Feuerwehr Tuttlingen und zahlreichen Helfern der Bundeswehr sowie Mitarbeitern der Baufirma wird versucht, den vollständig verschütteten Arbeiter zu lokalisieren und auszugraben. Leider kommt bei ihm jede Hilfe zu spät und er kann nur noch tot geborgen werden.


Der zweite Verletzte ist zwar ansprechbar, befindet sich jedoch in einer lebensgefährlichen Lage, da er bis über die Schultern in dem nassen und schweren Lehmboden feststeckt. Unter ständiger Kontrolle des Rettungsdienstes und des Notarztes beginnen die Rettungskräfte die mühsame Aktion. Unter der Abschnittsleitung des Fachberaters-Bau versuchen die Helfer mit kleinstem Gerät und teilweise nur mit den Händen vorsichtig die Erdmassen um den Verschütteten herum zu entfernen.
Erschwert werden die Arbeiten durch die Enge, die in dem rund 4 Meter tiefen und nur 85 Zentimeter breiten Graben herrscht. Mithilfe von drei Baggern werden dabei die Grabenwände gestützt, um ein weiteres Einbrechen zu verhindern. Zum Glück für den Verletzten und auch die Retter ist an dieser Stelle der Graben auch durch eine Spreizwand abgesichert. Auch die kniende Position des verschütteten Arbeiters erschwert zusätzlich die Rettungsmaßnahmen. Während zwei Helfer direkt beim Verletzten teilweise mit den Händen graben, legen jeweils zwei Soldaten der Bundeswehr dahinter das bereits vergrabene Drainagerohr frei und befördern die Erdmassen nach hinten weg von der Einsatzstelle.

 

Aufgrund der hohen körperlichen Anstrengung, die dies für die Soldaten bedeutet, werden diese alle zwei Minuten von anderen Kameraden abgelöst. Das Drainagerohr, das von den Bauarbeitern vor dem Unfall in dem Graben eingebaut worden war drückt direkt auf den Bauch des verschüttenden Arbeiters und muss zu dessen Entlastung entfernt werden. Nach rund drei Stunden mühsamster Grabarbeiten gelingt es schließlich, den Verletzten aus den Erdmassen zu befreien, mit einer Schleifkorbtrage aus dem Graben zu bringen und dem Rettungsdienst zu übergeben.

Ein großes Problem an der Einsatzstelle ist das Gelände und der aufgeweichte Boden, dessen Zustand sich wegen des einsetzenden Regens noch weiter verschlechtert. Deshalb sind die Einsatzkräfte zum Beginn des Einsatzes darauf angewiesen, die Rettungsmittel zu Fuß die 300 Meter Lage steile Piste zum Unglücksort zu tragen. Später werden sie durch zwei geländegängige Radlader der Baufirma und zwei Unimogs der Bundeswehr unterstützt, die dann den Material- und auch den Personentransport übernehmen.
Die Unimogs der Bundeswehr übernehmen schließlich auch den Abtransport des Verletzten zum bereitstehenden Rettungshubschrauber Christoph 54 aus Friedrichshafen, der ebenfalls wegen des schwierigen Geländes und des ungünstigen Nebelwetters nicht an der Einsatzstelle landen kann. Auch der bis zur Einsatzstelle vorgefahrene RTW und der Wechsellader der Immendinger Feuerwehr muss mithilfe der Radlader den Berg wieder hinaufgezogen werden.


An der Einsatzstelle sind bis zu 125 Rettungskräfte im Einsatz. Trotz dieser großen Zahl verlaufen die umfangreichen Rettungsmaßnahmen in kompetenter und ruhiger Form ab. Dies liegt auch an dem disziplinierten Verhalten aller Einsatzkräfte, vor allem auch der zahlreichen Kameradinnen und Kameraden der Bundeswehr, die innerhalb kurzer Zeit aus der nahegelegenen Kaserne eintreffen, um die Rettungsarbeiten zu unterstützen. Von dort kommen auch während des Einsatzes heiße Getränke, die die Helfer der Feuerwehr und des Rettungsdienstes dankbar annehmen. Auch direkt an vorderster Front ist besonders ein Bundeswehrkamerad zu nennen, der die Sprache des verletzten Bauarbeiters beherrscht und so die Kommunikation mit diesem während der kompletten Rettungsmaßnahe übernehmen kann.

An der Einsatzstelle sind unter der Leitung des Immendinger Feuerwehrkommandanten Andreas Heitzmann und des Kreisbrandmeisters Martin Hagen die Feuerwehr Immendingen mit dem MTW, dem LF 16/12 und dem WLF mit AB-Rüst, die Feuerwehr Tuttlingen mit dem KdoW-StBm, dem HLF 20/16, RW, WLF1 mit AB-Pritsche/Kran und WLF2 mit AB-Mulde sowie die FW Fridingen mit dem WLF mit AB-Baurüstsatz und der FW Spaichingen ebenfalls mit dem WLF mit AB-Baurüstsatz im Einsatz. Unterstützt wird der Einsatzleiter durch die FW Geisingen, die mit ihrem ELW die Führungsgruppe stellt und dem Fachberater des THW. Vom Rettungsdienst sind zwei RTW und zwei NEF sowie der Rettungshubschrauber vor Ort. Die Bereitschaft der DRK-Ortsgruppe Immendingen unter der Leitung von Andrea Moser übernimmt die Verpflegung der Einsatzkräfte nach dem Einsatz. Ein besonderer Dank gilt der Bundeswehr, die mit den Unimogs und zahlreichen Helfern die Rettungsmaßnahmen unterstützt. Sogar ein Bergepanzer steht in Bereitschaft, um bei Bedarf Transportaufgaben zu übernehmen und Fahrzeuge aus dem Gelände herauszuziehen. Nach dem Einsatzende übernehmen Kräfte der Kriminalpolizei und ein beauftragter Gutachter sogar unterstützt durch einen Polizeihubschrauber die Einsatz Stelle um nach den Ursachen des Tiefbauunfalls zu forschen.

Unser Dank gilt allen beteiligten Einsatzkräften, die mithalfen, diesen sehr schwierigen Einsatz fachmännisch und kompetent zu bewältigen. Dem verletzten Bauarbeiter wünschen wir eine baldige Genesung. Gleichzeitig gilt unser aufrichtiges Beileid der Familie des leider verstorbenen Bauarbeiters, dem trotz der schnell angelaufenen Maßnahmen nicht mehr geholfen werden konnte. Auch den weiteren Mitarbeitern der Baufirma, die Zeuge des Unfalls geworden sind gilt unser Mitgefühl.

 

Bericht auf den Seiten der Feuerwehr Immendingen mit freundlicher Genehmigung

durch den Komanndanten Andreas Heitzmann

Ganz herzlichen Dank dafür.

63 Bilder von www.Suedkurier.de    Tödlicher Bauunfall in Immendingen


Experten suchen Unglücksursache

 

Einen Tag nach dem tödlichen Baugruben-Unglück auf dem künftigen Daimler-Testgelände in Immendingen (Kreis Tuttlingen) haben Sachverständige ihre Untersuchung begonnen. Die Experten sollen unter anderem überprüfen, ob auf der Baustelle alle Vorschriften eingehalten wurden, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Die zuständige Rottweiler Staatsanwaltschaft habe diese Untersuchung in Auftrag gegeben.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz wurden am Donnerstagmittag bei Bauarbeiten zwei Arbeiter verschüttet. Die Männer hätten auf dem Gelände unter anderem Drainagerohre verlegt, hieß es bei der Polizei. Rettungskräfte bargen einen 36-Jährigen tot aus der Baugrube. Ein 50-Jähriger kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Ein 23 Jahre alter Helfer, der sich bei dem Unglück ebenfalls in der Baugrube aufgehalten hatte, aber nicht verschüttet wurde, erlitt einen Schock.

Der Autohersteller Daimler baut auf dem Gelände derzeit ein Prüfzentrum mit Teststrecke. Von 2017 sollen dort unter anderem Fahrerassistenzsysteme weiterentwickelt werden. "Wir sind tief betroffen über diesen schweren Unfall", sagte ein Firmensprecher gestern. "Wir unterstützen die Behörden bei den Ermittlungen." Mit Blick auf die derzeit laufenden Untersuchungen könne man aber keine Details zu dem Unglück nennen.


Tod auf der Daimler-Baustelle ist geklärt

Bauleiter aus dem Kreis Tuttlingen einer von zwei Verantwortlichen

Ziemlich genau ein Jahr lang haben sich die Ermittler  Zeit genommen, um  die  Schuldigen  für das tödliche Unglück auf der Baustelle der Daimler-Teststrecke zu finden. Verantwortlich sind zwei Mitarbeiter eines Rottweiler Tiefbau-Unternehmens.

Eine Richterin des Amtsgericht Tuttlingen hat dem Antrag der Staatsanwaltschaft Rottweil entsprochen und Strafbefehle mit hohen Geldstrafen erlassen: Der Bauleiter, ein 49-jähriger Mann aus dem Kreis Tuttlingen, soll wegen  fahrlässiger Tötung und  fahrlässiger  Körperverletzung 15 000 Euro zahlen, der 52-jährige  Baggerfahrer aus  dem Schwarzwald-Baar-Kreis 10 500 Euro wegen der gleichen Delikte. Die Beschuldigten haben die Möglichkeit, Einspruch zu erheben. Tun sie das, kommt es zur Gerichtsverhandlung.

Gegen den Geschäftsführer der Rottweiler Firma und dessen Kompagnon, deren Firma  mit den Tiefbauarbeiten betraut ist, hat die Staatsanwaltschaft Rottweil das Verfahren eingestellt.

Einschlägige Gutachten ergaben, dass sie keinerlei Schuld an dem Unglück trifft. Der Bauleiter und der Baggerfahrer hätten dagegen an jenem 18. Dezember 2014 trotz entsprechender Schulungen eigenmächtig ohne Wissen ihrer Chefs gehandelt und die Baugrube nicht ordnungsgemäß abgesichert.


02.01.2016 Daimler-Drama kommt doch vor Gericht

Mitarbeiter wollen Strafbefehl nicht hinnehmen und erzwingen Prozess

Jetzt gibt es doch noch ein Nachspiel zum tödlichen Unglück auf der Daimler Teststrecke in Immendingen vor gut einem Jahr. Der Bauleiter und der Baggerfahrer einer Rottweiler Firma, die mit Arbeiten auf der Erdbaustelle beauftragt ist, haben Einspruch gegen die Strafbefehle des Amtsgerichts Tuttlingen eingelegt. Damit kommt es zu einem Prozess, bei dem die dramatischen Vorfälle ganz neu aufgerollt werden. Der Termin steht allerdings noch nicht fest.

Neuer Termin jetzt festgelegt

Drei Verhandlungstage hat Larissa Terlecki, Richterin am Amtsgericht in Tuttlingen, für die Verhandlung gegen den Bauleiter einer Rottweiler Firma und einen Baggerfahrer angesetzt, denen fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen wird. Sie sollen Schuld daran sein, dass drei Männer im Dezember 2014 auf der Daimler-Baustelle in einer nicht ordnungsgemäß abgesicherten – so die Staatsanwaltschaft – Baugrube verschüttet wurden.

Einer der Männer, ein zweifacher Familienvater aus dem Landkreis Tuttlingen, konnte nur noch tot geborgen werden. Die anderen zwei wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Die beiden Angeklagten hatten die Strafbefehle der Staatsanwaltschaft Rottweil in Höhe von 15 000 beziehungsweise 10 500 Euro nicht akzeptiert. Sie fühlten sich nicht oder nicht allein schuldig an dem Unglück. Deswegen kommt es jetzt zur Verhandlung vor dem Amtsgericht.

Erster Verhandlungstermin ist Dienstag, 11. Oktober. Als eventuelle Fortsetzungstermine sind der 18. und 25. Oktober festgelegt. Es wurden 15 Zeugen und ein Sachverständiger geladen.

 

Tödliches Unglück auf Daimler-Testgelände: Prozessauftakt   
Von (sb) 12.10.2016 – Schwarzwälder Bote
Ein Arbeiter wird Ende 2014 in einer Baugrube des Daimler-Testgeländes in Immendingen verschüttet und stirbt – seit Dienstag beschäftigt der Fall das Amtsgericht Tuttlingen.

Der Bauleiter und ein Baggerfahrer der Tiefbaufirma A.M. Müller GmbH und Co. KG aus Zimmern ob Rottweil müssten sich wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung verantworten, sagte ein Gerichtssprecher. Unter anderem müsse geklärt werden, ob bei den Bauarbeiten alle Vorschriften eingehalten wurden. Bislang sind nach Angaben des Gerichts drei Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte noch im Oktober gesprochen werden. Gegen die Geschäftsführer der Zimmerner Firma hatte die Staatsanwaltschaft Verfahren frühzeitig eingestellt mit Verweis auf Gutachten, in denen attestiert wurde, dass sie keinerlei Schuld an dem Unglück trifft.

Bei dem Unglück auf dem Baugelände der Teststrecke in Immendingen war ein 36-Jähriger ums Leben gekommen. Er hatte mit seinen Kollegen unter anderem Rohre verlegt, als plötzlich Teile einer provisorischen Wand einbrachen. Die Erdmassen begruben die zwei Arbeiter unter sich. Der 36-Jährige konnte von der Feuerwehr nur noch tot geborgen werden, ein 50-Jähriger kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Ein 23 Jahre alter Helfer, der sich ebenfalls in der Baugrube aufgehalten hatte, erlitt einen Schock.

Das Gericht habe zuvor einen Strafbefehl gegen die beiden jetzt Angeklagten erlassen, sagte der Sprecher. Da diese jedoch Einspruch eingelegt hatten, sei es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht gekommen.

 

Daimler-Prozess: Wende deutet sich an      
Von Schwarzwälder-Bote 13.10.2016 -

Haben sich die Arbeiter selbst gefährdet, als es Ende 2014 auf der Daimler-Baustelle in Immendingen zu einem tödlichen Unglück kam? Einiges scheint dafür zu sprechen. Nahezu zwei Jahre nach dem dramatischen Geschehen hat, wie bereits, berichtet, am Dienstag vor dem Amtsgericht Tuttlingen die neue Suche nach dem oder den Verantwortlichen begonnen. Ein Bauleiter und ein Baggerfahrer einer Firma aus Zimmern ob Rottweil haben Einspruch gegen Strafbefehle mit hohen Geldbußen eingelegt. Am ersten von drei Verhandlungstagen wurden sie teilweise entlastet.
Staatsanwalt Markus Wagner deutete in einer Verhandlungspause vorsichtig an, dass eine Wende möglich sein könnte: "Es wird zu prüfen sein, ob die Arbeiter sich selbst gefährdet haben", sagte er. Im Laufe des Prozesses häuften sich die Indizien dafür. Die Vorwürfe gehen nicht zuletzt an jenen 36-jährigen Mann, einen zweifachen Familienvater aus dem Kreis Tuttlingen, der beim Unglück sein Leben verlor. "Ich habe ihm die Verantwortung übertragen", erklärte am Dienstag der Bauleiter, der sich zum Zeitpunkt des Unglücks nicht am Ort des Geschehens aufhielt.

Der Baggerfahrer machte zunächst von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern, weil er "nicht andere belasten wolle", wie sein Anwalt sagte. Nach dem Hinweis von Richterin Larissa Terlecki: "Es geht um ihren Kopf!" revidierte er seine Meinung und redete dann doch. Auch er belastete, wenn auch zögerlich und zurückhaltend, den toten Arbeitskollegen: "Er hat alles koordiniert."
Allerdings zeigten sich in der Folge Widersprüche über seine Rolle: Im Arbeitsvertrag ist nur von "Facharbeiter" die Rede, während die Baufirma ihn in einem Organigramm, das sie nach Aussage eines Kripobeamten erst nach mehrfacher Aufforderung und längerer Verzögerung vorlegte, als Stellvertreter des Bauleiters aufführt. Obwohl der Bauleiter mehrfach beteuerte: "Wir sind alle erfahrene und geschulte Kanalbauer", stellt sich heraus, dass während seiner Abwesenheiten teilweise schwere Missstände herrschten.

Die bis zu 4,5 Meter tiefe Grube war zwar abgesichert, aber nur in einem Teilbereich. Zwei Mitarbeiter gestanden freimütig, dass sie zum Gang in die Tiefe nicht die bereitstehende Leiter benutzten, sondern regelmäßig die Stufen, die durch die Grabungen entstanden waren und über einen nicht abgesicherten Bereich führten. Die erstaunten Nachfragen von Richterin Terlecki und Staatsanwalt Wagner, ob ihnen nicht bewusst gewesen sei, dass sie sich damit in Lebensgefahr brachten, bejahten sie und erklärten, das habe sich "halt so ergeben". Beim Unglück hatte einer von ihnen, ein 22-Jähriger, wie er berichtet, nur einen Fuß ein kleines Stück weit über den gesicherten Bereich hinaus gesetzt. Als massenweise Erde von der nach Ansicht des Staatsanwalts zu steilen Böschung herabstürzte, deckte sie den jungen Mann bis zum Hals zu. Der 36-jährige wollte ihm helfen, geriet dabei offenbar vollends in den nicht gesicherten Bereich und wurde von einer weiteren Lawine förmlich begraben. Er konnte erst nach einer Stunde tot geborgen werden. Die Rettung des 22-Jährigen dauerte fünf Stunden. Er kam mit Verletzungen davon, er war zwei Monate arbeitsunfähig.
Der Prozess wird am kommenden Dienstag mit dem Bericht des Gutachters und der Zeugen-Vernehmung des Firmen-Geschäftsführers fortgesetzt.

 

 

Kreis Rottweil/Tuttlingen - Für das tödliche Unglück am 18. Dezember 2014 auf der Daimler-Baustelle in Immendingen wurde gestern ein jetzt 51-jähriger Bauleiter wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 5400 Euro verurteilt.

Das ist deutlich weniger als die ursprünglich per Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verhängten 15 000 Euro. Für den 54-jährigen Baggerfahrer aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis gab es einen Freispruch statt einer 10 500-Euro-Strafe.

Bei Kanalarbeiten einer Tiefbaufirma aus Zimmern o.R. in einem 4,5 Meter tiefen und 80 Zentimeter breiten Graben war zunächst ein heute 52-Jähriger aus Rottweil bis zum Hals mit Erde verschüttet worden. Als ihm sein 36-jähriger Kollege zu Hilfe eilte, wurde dieser unter Erdmassen begraben. Der zweifache Familienvater konnte nach einer Stunde nur noch tot geborgen werden. Die Rettung des Schwerverletzten dauerte fünf Stunden.

Die Baustelle sei völlig unzureichend gesichert gewesen, erklärte Larissa Terlecki, die Einzelrichterin, in ihrer Urteilsbegründung. Dafür trage der Bauleiter, zumal mit seiner 25-jährigen Erfahrung in dieser Position, die Verantwortung. Er habe seine Weisungs- und Kontrollpflicht grob missachtet. Es sei zudem ein entscheidender Fehler gewesen, sich "blindlings" auf den 36-Jährigen zu verlassen, der als eine Art Vorarbeiter fungierte, wenn auch nur inoffiziell. Aufgrund von speziellen Schulungen und langjähriger Erfahrung könne man ihn allerdings nicht von einer gewissen Mitverantwortung freisprechen, was wiederum als mildernder Umstand für den Bauleiter gewertet werden müsse. Alle Mitarbeiter hätten sich bewusst lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt. Andererseits müsse man dem 36-Jährigen hoch anrechnen, dass er versucht habe, seinen Kollegen zu retten.

Staatsanwalt Markus Wagner fand ebenfalls klare Worte: "Jeder konnte wissen, dass die Schutz-Elemente an der Baugrube nicht ausreichen", sagte er in seinem Plädoyer im Amtsgericht Tuttlingen. "Alle waren sich der Gefahr bewusst, dass diese Baustelle zu jeder Zeit absolut unsicher war. Dafür trage der Bauleiter, der jegliche Sorgfaltspflicht habe vermissen lassen, die Verantwortung. Der Staatsanwalt forderte eine Geldstrafe von 10 500 Euro.